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 Zeitgeschichte der BRD / DDR bis 1990
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13.11.2010 16:27
#1 Auswirkungen des Kalten Krieges inmitten des Landes antworten

Der kalte Krieg mitten in der Bundesrepublik

Bis in die 90er Jahre hinein konnte man ziemlich in der Mitte der alten Bundesländer von Nord- nach Süd verlaufend eine zweite "Grenze" erkennen. In Norddeutschland war die Weser für den Fall eines bewaffneten Konfliktes als Hauptverteidigungslinie vorgesehen. Die Nato ging davon aus, daß die Warschauer Paktarmeen im Falle eines Angriffes so schnell vorstoßen würde, das sie erst im Bereich der Weser hätten aufgehalten werden können.

Das Ergebnis dieser Verteidigungsstrategie waren jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst große Manöver entlang der Weser. Ich wohnte ab 1982 in einem Ort der ca. 5km westlich der Weser im Lnadkreis Nienburg lag. Auf allen Bauernhöfen im Ort waren Soldaten mit Fahrzeugen usw. untergebracht, quer durch die Orte liefen Telefonleitungen, es war immer so für ca. 10 Tage viel Betrieb und zusätzlicher Verkehr auf den Straßen. Diese sahen durch die Ketten- und Radfahrzeuge danach immer sehr schlimm aus, und waren während der Manöverzeit stark verschmutzt. Außer der Bundeswehr waren bei uns im Ort öfters auch britische und niederländische, sowie einmal belgische Truppen eingesetzt.

Um die Kräfte des Warschauer Paktes aufzuhalten, bzw. den Übergang über die Weser zu erschweren, waren in der gesamten Bundesrepublik vor Brücken, engen Stellen durch Berge o. ä. Sprengschächte in den Straßen vorhanden. Äußerlich sahen sie aus wie Kanalisationsdeckel, nur mitten in der Landschaft verlief unter den Straßen keine Kanalisation. Es soll sich um ca. 30.000 Sprengschächte gehandelt haben die vorhanden waren. An einigen Punkten waren in den Brückenrampen auch gleich Bunker mit eingebaut, in denen der Sprengstoff gelagert wurde. Alle vorhandenen Sprengschächte waren artilleristisch vermessen, um die dann wartenden Gegner unter Beschuss nehmen zu können. Mit Hilfe der Sprengschächte wäre ein militärischer Vormarsch nur mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen. Gewartet wurden die Schächte von Wallmeister. Hierbei handelte es sich um Soldaten der Bundeswehr im Feldwebelrang, die in neutralen Fahrzeugen (mit roter Rundumleuchte) die Schächte warteten, die Öffnungen schmierten usw. Als Qualifizierung eines Wallmeisters wurde ein Bauhauptberuf, Pionierfeldwebel oder Studium von Bautechnik an einer Fachschule vorausgesetzt. Seit 2006 gibt es dieses Berufsbild in der Bundeswehr nicht mehr.

Sprengschächte waren aber nicht das einzige Mittel um einen Vormarsch der Warschauer Paktarmeen aufzuhalten. So wurde zum Beispiel auf der südl. Seite des Hamburger Elbtunnels riesige auf Rollen befindliche Betonteile verbaut, die bei Bedarf die Eingänge von Süden her verschlossen hätten. An der Weser gab es außerdem noch ca. alle 5 -6 km Panzerübergänge. Hierbei handelte es sich um Straßen, die in West- Ostrichtung liefen, und an der Weser eine Rampe hatten, damit Panzer und Schwimmfahrzeuge hier den Fluß überqeren konnten. Natürlich befanden sich am ostwärtigen Ufer auch jede Menge Sprengschächte, um die Querungen auch hier unbefahrbar zu machen.

Im Bereich der Weser gibt es keine Sprengschächte mehr. Die wurden im Laufe der Zeit bei Erneuerungen von Straßendecken zugeschüttet und danach asphaltiert. Einen ausführlichen Bericht mit vielen Fotos von Sperren, auch von der Rollsperre des Hamburger Elbtunnels gibt es hier auf dieser Seite:

http://www.lostplaces.de/sperren-wallmeister.html


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