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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 305 mal aufgerufen
 Deutsche Militärgeschichte
feldgrau Offline



Beiträge: 128
Punkte: 128

24.01.2007 19:12
#1 Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Welche taktischen Fehler wurden zum Beispiel im Fall Stalingrad begangen, und wie hättet ihr als verantwortliche Oberbefehlshaber gehandelt ?

Wäre eine Niederlage abwendbar gewesen ?

Gardes du Corps Offline




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28.01.2007 17:46
#2 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Es hat sich aber auch gezeigt, was mit Einheiten passierte, die sich in deckungsloser Steppe bei Minus 40° C zu Fuß zurück ziehen.

Hätte Napoleon die Möglichkeit zur Luftversorgung gehabt, wäre er vielleicht auch in Moskau oder Smolensk geblieben und hätte das Frühjahr abgewartet.

Gardes du Corps Offline




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28.01.2007 20:44
#3 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Stalin war kein Dummkopf und auch nicht alle russische Marschälle, auch wenn sie bei jeder Gelegenheit um ihren Kopf fürchten mussten.

Als die Wehrmacht 1941 vorstiess, stiess sie auf eine riesige und gut ausgerüstete Rote Armee. Trotz gewaltiger Kesselschlachten und vernichteter Russentechnik - die Siege mussten sehr teuer und auch schmerzlichen Verlusten erkauft werden. Die Wehrmacht brannte aus!

Im Herbst 1941 liefen die westalliierten Hilfen an und Stalin, der glaubte im Osten Truppen wegen Japan präsent zu halten, bekam von einem Deutschen*(!) Entwarnung.

Nach dem russischen Bürgerkrieg wurden im Gebiet um Chabarowsk Bauernsoldaten angesiedelt, die die Grenzen im Osten sicherstellen sollten. Diese sibirischen Truppen standen im Dezember 1941 zur Verfügung. Sie waren frisch und sibirische Kälte gewöhnt.

Als die Wehrmacht im Frühjahr wieder zur Offensive übergingen - sie mussten Russland im Herzen treffen und von den Hauptverkehrswegen und vor allem dem Öl trennen - gelang es ihr in keinem Fall, größere russische Kontigente einzukesseln, wie im Sommer 1941 geschehen.

Die Russen gaben eher Terrain auf, als sich einholen und einkesseln zu lassen. Sie wussten, dass ihre Verbindungswege zu den Industriegebieten im Ural und den Lieferungen über Persien kürzer wurden, während die deutschen Verbindungslinien gedehnt wurden.

Im Hinterland wurde zu einem barbarischen Partisanenkrieg aufgerufen, der einen großen Teil des Nachschubs beeinträchtigte und wichtige Truppen zur Befriedung band.

Allein konnte Deutschland diesen wichtigen Feldzug zur Rettung Europas nicht mehr gewinnen. Die osteuropäischen Staaten sollten niemals vergessen, dass es die Alliierten waren, die sie verrieten und sie für 60 Jahre den Bolschewisten auslieferten.

Dr. Richard Sorge

Gardes du Corps Offline




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29.01.2007 21:06
#4 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Ich möchte mal etwas relativieren:

- die Umstrukturierung war nicht so gewaltig, wie es ausschaut. Gern werden sie aber als Entschuldigung herangezogen - auch um die deutschen Leistungen zu schmälern. Diese Struktur baut auf Tukhatshevskis Ideen der mechanisierten Korps auf und war schon weitgehend umgesetzt und in den Manövern von 1939 und 1940 erprobt.

- die Säuberungen liefen etwa 1937 bis 38. Es stimmt, dass von 5 Marschällen 3 erschossen wurden, alle Armeekommandeure, Korps - und Divisionskommandeure - glaube, bis auf 2 oder 3.

- es rückten nach die stalintreuen Kader aus den Offiziersschulen und Akademien, die teilweise gegen ihre eigenen erschossenen Eltern aufgehetzt wurden. Aber auch hier waren 3 Jahre Zeit für Schulungen und Training.

- was auch gern verschwiegen wird ist, dass mit Beginn des "Großen Vaterländischen Krieges" viele Kommandeure und Stabs-Offiziere aus den GULAG geholt wurden und unter Versprechen der Rehabilitierung integriert wurden.

- was tatsächlich bis etwa 1942 von entscheidender und teilweise lämender Bedeutung war, war die faktische Gleichstellung der Kommandeure und Politkommissare. Dies lämte die Entschlußfreudigkeit so manches Kommandeurs.

Ansonsten war der Russe ein wirklich gefährlicher Gegner und er machte es unseren Jungs nicht leicht zu siegen.

Übermenschlicher Einsatz und absolutes Vertrauen in die Führung, das exakte Zusammenspiel aller Waffen, die Führungskunst vom General bis zum Reichsrottenführer liess das Heer auch die stärksten Krisen meistern. Bis ...

... ja bis nichts mehr ging.

In einem anderen Zusammenhang sagte mal Galland: Unsere Helden kämpften , bis sie fielen. Und das erinnert mich wieder an die Thermophylen "Wanderer, kommst Du nach Sparta, ..."

um den Bogen bis Stalingrad zu schliessen:

"Wanderer, kommst Du nach Deutschland, berichte, Du hast uns hier sterben gesehen, wie das Gesetz es befahl ..."

Begleiter Offline



Beiträge: 28
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31.01.2007 17:04
#5 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Rommel hatte auch keine Generalstabsausbildung denn er war ein Autodidakt wie AH.

Und seine militärischen Erfolge wollen wir ihm nicht absprechen. Auch wenn er in den Generalsreihen nicht unumstritten war.

Der Begleiter.

feldgrau Offline



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13.02.2007 22:54
#6 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Wer Kriege aus dem Büro oder einem Bunker heraus führt, verliert die Übersicht und den Bezug zur kämpfenden Truppe.

Da hilft nur eines : Frontbewehrung !

Der Führer führt von vorn, ein alter Grundsatz, der jedoch an seiner Gültigkeit bis heute nichts verloren hat.

feldgrau

Soldat-X Offline




Beiträge: 15
Punkte: 15

23.03.2007 11:07
#7 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Stalingrad ist eingentlich das beste Beispiel dafür , für welches System
sich die deutschen Soldaten zu opfern hatten.

Die Soldaten sind dort nachweislich elendig verreckt und ihrem obersten Befehlshaber in Berlin hat es überhaupt nicht interessiert.

In Stalingrad haben nicht die Soldaten ,sondern ganz klar die oberste Führung versagt.

Gardes du Corps Offline




Beiträge: 690
Punkte: 688

23.03.2007 17:47
#8 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

@ Soldat-X

Du warst dort?

feldgrau Offline



Beiträge: 128
Punkte: 128

24.03.2007 20:37
#9 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Es ist für mich immer noch beeindruckend, wenn man in alten Filmen oder Bildern sieht, unter welchen Bedingungen die deutschen Soldaten in Stalingrad gekämpft haben.

Da wird einem schon beim Hinschauen ganz kalt.

feldgrau

Gardes du Corps Offline




Beiträge: 690
Punkte: 688

25.03.2007 09:04
#10 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

In Stalingrad musste sich der Volksbund überhaupt erst die Errichtung der Anlage "Rossoschka"* erkaufen, auch, in dem er eine Parallelanlage für die Russen mit errichtete. (Auf der anderen Strassenseite. Ziemlich ausserhalb der Stadt, vorbei am heutigen Flugplatz)

In Stalingrad selbst gibt es den "Mamajev Kurgan"** mit der riesigen schwertschwingenden Frau "Rodina Matj"***

Das ist aber nur eine Büßerstrecke und Kranzabwurfplattform. Hier sollten die Pilger - und tun es auch heute unter einem korrupten kommunistischen Bürgermeister - Milliardär! - unter Musik den Hügel hinauf pilgern. Theatralisch!

Im Stalingrad erfährt man die Bahuptung, dass 1,5 Millionen deutsche Soldaten hier gefallen seien, was natürlich eine Übertreibung ist. (Es waren ungefähr 150-250.000. Schlimm genug, aber die sich gefangen gaben sind da - bis auf knapp 6000 - mit drin.) der Hammer kommt aber gleich nach einem Atemzug aus dem Mund der Museumsführerin: Unsere waren nicht weniger! Nun und das kommt in etwa hin. Russische Historiker sprechen heute von 1,7 Millionen Toten Russen! 1 zu 10!

Und für die gab es bisher nur ein Massengrad hinter dem Mamayav-Kurgan und einen kleinen Platz, der sich "Soldatskaja Polnja"**** nannte. Kurioserweise heute einen Steinwurf von einem großen BMW-Autohaus entfernt

Ansonsten ist es so, dass heute bei sämtlichen Baumassnahmen in der Stadt immer wieder Knochen auftauchen, die von den Russen achtlos beiseite geworfen werden. Die Umbetter des Volksbundes arbeiten hauptsächlich an den bekannten Grablagen und den Massengräbern der Gefangenenlager. Dort liegen die Toten meisst nackt, so dass keinerlei Identifizierung möglich ist.

Der Russe selbst, geht mit seinen Toten völlig respektlos um. Für ihn ist fremdes oder eigenes Leben "keinen Groschen wert" - wie mal mein Onkel in einem Feldpostbrief aus der Gegend schrieb.

* zu finden unter Google-Earth 48°49'33,07" N und 44°09'48,27" O; deutlich zu erkennen der kreisrunde Wall in den die Gebeine bestattet werden und der quadratische alte Kriegsgefangenenfriedhof aus dem 1. WK. Südlich der Strasse erkannt man deutlich die kreisrunde russische Anlage, errichtet vom Volksbund
*Kurgan = Hügel findet man bei Google-Earth unter "Volgograd" + "Mamayav-Kurgan"
**Mutter Heimat
***Feld der Soldaten

Soldat-X Offline




Beiträge: 15
Punkte: 15

27.03.2007 11:52
#11 RE: Stalingrad - wie hättet ihr gehandelt ? Antworten

Es ist schon hilfreich, sich zum Thema Stalingrad auch mit der russischen Seite, abseits der Propaganda, zu befassen.
So spricht der Historiker und Kriegsschriftsteller Wladimir Beschanow, berühmt geworden durch mehrere Bestseller, darunter Panzerpogrom 1941, vom "Mythos Stalingrad".

Beschanow zerpflückt die Tabus und Legenden der sowjetischen Stalingrad-Historiographie.

Bezeichnend auch,dass er weit sachlicher und nicht so deutschfeindlich berichtet, wie z.B. ein Herr Knopp.

So kommt Beschanow.ironisch, ja fast zynisch zu seiner Schlußbemerkung:

"Nach dem Kriege gaben die deutschen Feldherren als Gründe für die Niederlage im Osten an: Hitlers Wahnsinn, materielles Übergewicht des Gegners, der russische Winter. Doch keiner von ihnen schrieb in seinen Memoiren, deutsche Generäle hätten nichts von Truppenführung, Kriegskunst, Strategie verstanden."

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