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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Grenztruppen/Grenzregime der DDR
Seiten 1 | 2
Nemesis Offline




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29.10.2006 18:15
#1 Grenzsoldaten Antworten

Die traurigste und schlimmste Geschichte unseres Landes war die Teilung Deutschlands.

Ich kann mich noch sehr gutan die Besuche an sog. Informationspunkten des BGS erinnern, wo man sich einen Überblick über die unmenschliche Grenze und deren Anlagen machen konnte.

Für mich immer wieder erstaunlich, dass es Deutsche waren die bereit gewesen sind, auf Landsleute zu schießen, nur um sie daran zu hindern, in die Freiheit zu gelangen.

Heute wollen viele ehemalige Grenzer uns weißmachen, dass sie angeblich gar nicht wußten was sie taten.

Wer sich aber länger verpflichtete, der wußte worauf er sich einließ.

Ich habe einmal gelesen, wie ein ehemaliger Grenzer in einem anderen Forum schrieb: " (...) klar hätte ich geschossen, wozu hatte ich die Kaschi um den Hals gehängt".

Ich glaube solche Kommentare sprechen für sich.


Nemesis :roll:

Nemesis Offline




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03.11.2006 10:14
#2 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat
Derjenige der das geschrieben hat ist einfach nur hirnlos!



Hirnlos ? Nein, dass würde ich nicht unbedingt behaupten.Viel mehr macht er aus seiner
wahren geistigen Haltung keinen Hehl.

Es ist nun an uns Demokraten,solchen Exemplaren die Stirn zu bieten und ihnen die Maske des angepasssten Biedermanns vom Gesicht zu reißen.

Viele von ihnen haben es geschickt verstanden, in der Gesellschaft unterzutauchen. Allerdings wenn man lange genug nachforscht, kann man in ihrer Vita lesen wie in einem offenen Buch.

Nemesis

sentry Offline




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15.11.2006 11:35
#3 RE: Grenzsoldaten Antworten

Um über die Grenze, ihre Ursachen und Wirkungen zu diskutieren, oder gar über Grenzsoldaten, ihre Motivationen und Antriebe, braucht man ein bisschen mehr background, als Schlagzeilen in Schriftgröße 72.

Persönliche Erfahrungen hat man oder man hat sie nicht.
Wenn man sie nicht hat, bietet es sich an, mal in Publikationen zu schmökern, die mehr Text als Bilder haben.

Das bietet sich übrigens auch an, wenn man persönliche Erfahrungen hat...ich weiß, wovon ich rede.

Damit rufe ich 'mal: "Hallo!" in dieses Forum und hoffe, dass es nicht von Ossi-Wessi-Parolen-und-Vergleichs-Kacke geprägt ist, sondern, wie üblich, dem Wissens- und Meinungsaustausch dient.

Ich will das Grenzregime der DDR auf keinen Fall verteidigen, aber die Ursachen für die Grenzschließung sind doch etwas komplexer, als nur der Drang, die eigene Bevölkerung einzusperren.
Dem entsprechend ist natürlich auch die Motivation der Grenzer etwas komplexer.
Der Drang, eigene Landsleute an der Flucht zu hindern, oder gar sie zu töten, dürfte wohl bei den wenigsten den Ausschlag gegeben haben.
Genauso wie bei allen Soldaten zivilisierter Armeen der Wunsch, ihre Waffe gegen andere Menschen zu richten, (hoffentlich) nicht ausschlaggebend ist, für ihre Berufswahl.
Insbesondere Wehrpflichtige haben da wenig Spielraum. Sie erhalten eine Waffe, schwören einen Eid und sind ganz plötzlich Soldat mit allen Konsequenzen, die einen bei Gehorsam oder Verweigerung treffen können.
Das galt auch für Grenzer. Keiner wurde bei der Musterung gefragt, ob er schießen würde. Selbst ein "Nein!" auf die Frage, ob man auch an die Grenze gehen würde, war bei der Musterung kein Garant, dass man auch nicht dort hin kommt. Während ein "Ja!" nachweislich ein Garant dafür war, dass man verstärkten Überprüfungen unterzogen wurde. Schließlich konnte man in dieses "Suchen der Grenznähe" auch eine Fluchtvorbereitung hinein interpretieren.

Wie gesagt...das Ganze war etwas komplexer...zwischen Schwarz und Weiß gab's eine ganze Menge Abstufungen.

Nemesis Offline




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15.11.2006 16:49
#4 RE: Grenzsoldaten Antworten

@sentry

Zitat
Damit rufe ich 'mal: "Hallo!" in dieses Forum und hoffe, dass es nicht von Ossi-Wessi-Parolen-und-Vergleichs-Kacke geprägt ist, sondern, wie üblich, dem Wissens- und Meinungsaustausch dient.



Wie schon an anderer Stelle heiße ich Dich auch hier noch einmal willkommen.

Ossi-Wessi Vergleiche könen getrost unterbleiben, da diese schon in der Bild-Zeitung zur Genüge ausgetragen wurden und nur dazu dienen sollten, einen Keil in die deutsche Bevölkerung zu treiben.

Und nun zu den Fakten :

Objektiv haben die Grensoldaten und -offiziere zwar einem Unrechtsstaat gedient, jedoch haben sich die meisten von ihnen subjektiv nichts vorzuwerfen. Sie waren eingebunden in ein System, das "seinen" Grenzern im Frieden zumutete, auf Menschen zu schießen. Man gab ihnen die Lizens zum Töten.

Und einige hätte es auch aus reiner Überzuegung getan, wie der in meinem Eröffnungsthread genannte Grenzsoldat.


Nemesis

sentry Offline




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16.11.2006 07:54
#5 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat von Nemesis

Und einige hätte es auch aus reiner Überzuegung getan, wie der in meinem Eröffnungsthread genannte Grenzsoldat.



Ich kenne zwar den Zusammenhang der betreffenden Äußerung nicht, aber mit der "Überzeugung" wäre der Kollege in der DDR nicht weit gekommen.
Ich würde mich eher der Meinung "hirnlos" anschließen. Dieser Typ ist ein Idiot.

"...klar hätte ich geschossen.." diesen Teil kann man als Soldat ja noch als bedenkenswert ansehen.
Jeder Soldat, insbesonder freiwillig Längerdienende, MÜSSEN sich irgendwann einmal die Frage stellen, ob er im Dienst seine Waffe gegen Andere richten würde. Der Bundeswehrsoldat hätte auch auf Deutsche schießen müssen, wenn aus dem Kalten Krieg ein heißer geworden wäre...

Also hätte ich geschossen? Auf wen? In welcher Situation? Mit welcher Absicht? Mit welcher Begründung? Das sind Fragen, die ein Soldat sich stellen muss, der mit einer Waffe in den Dienst geschickt wird.

Der Fakt, DASS man eine Waffe mitgekriegt hat, als Begründung herhalten zu lassen, dass man sie auch benutzen würde, ist, ja, ist einfach hirnlos. Punkt.

Genauso hirnlos ist es übrigens, als Grenzer im Nachhinein zu behaupten, sie hätten nicht gewusst, was sie taten.
Allerdings ist mir diese Behauptung auch persönlich noch nicht untergekommen. Ich habe schon mit vielen Grenzern geredet, und noch keiner hat etwas ähnliches von sich gegeben.

Die Grenzer die ich kenne, waren überwiegend gut ausgebildete Soldaten, die durchaus in der Lage waren in ihrem Abschnitt selbstständig (schreibt man jetzt so) zu handeln und Verantwortung zu tragen, auch für das Leben des Grenzverletzers. Es gab nur ganz, ganz wenig Rambo-Typen, und auch bei denen ist nicht sicher, ob sie im Falle eines Falles überhaupt in der Lage gewesen wären, (richtig) zu handeln.

Noch mal ganz klar: Ich will das Grenzregime nicht beschönigen oder verteidigen.
Aber es ist nicht angebracht, politische, historisch bedingte Entscheidungen auf den letzten Grenzsoldaten herunterzubrechen.

So ein Postenführer hatte in seinem Abschnitt die volle Befehlsgewalt. Er musste in kürzester Zeit entscheiden, was getan wird, wenn es brenzlig wurde. Er musste die Situation erkennen, den "Gegner" einschätzen, seine Gefährlichkeit, Alter, Geschlecht, Anzahl, Bewegungsrichtung, er musste in Sekundenbruchteilen für sich und seinen Posten eine Entscheidung treffen, was zu tun ist. Er musste die Festnahme durchführen oder in letzter Konsequenz den Schusswaffeneinsatz befehlen und ggf. selber durchführen. Er war ständig der Gefahr ausgesetzt, wegen Gefährdung der Grenzsicherheit oder vorschriftswidrigem Verhalten schwer bestraft zu werden. Er war chronisch müde, wusste nicht ob sein Posten nicht vielleicht auch über Flucht nachdenkt, war vielleicht selber Familienvater oder hat gerade mal vor einem halben Jahr sein Abitur gemacht, und...

...er war, genau wie sein Posten, ein ganz normaler Soldat im Grundwehrdienst, der seine 18 Monate abreißen musste.
"Zivildienst" stand nicht im ostdeutschen Duden. Er hatte eine drei- oder sechsmonatige Grundausbildung und mehr nicht. FÜr psychologische Vorbereitung war da keine Zeit. Die Auswahl der Grenzer folgte hauptsächlich dem Kriterium "Fluchtgefahr". Ob sie psychisch, physisch oder rein vom Intellekt her in der Lage waren, eine so hohe Verantwortung zu tragen, war eher von untegeordneter Bedeutung.

Und nun Frage ich 'mal in den Raum ("...der werfe den ersten Stein..."):
Welcher Grundwehrdienstleistende traut sich diese Verantwortung zu?

Ist ja ein Militärforum...ich nehme an, es gibt hier ein paar die ihre Wochen beim Bund abgerissen haben.
Meint ihr, ihr hättet das geknackt nach ein paar Wochen Bund? Klar hättet ihr das. Ein bisschen am Zaun entlang durch den Wald spazieren oder auf dem Turm rumgammeln...wie kann man denn seine Zeit besser abreißen?

Aber was wäre wenn...ach Schei* drauf, warum sollte gerade in meinem Abschnitt zu meinem Dienst einer 'ne Flucht versuchen...immer noch besser als als Mucker (Panzergrenadier?) durch den Dreck zu robben bis der Bauchnabel glänzt oder mit dem ganzen Gerödel am Leib einem Panzer hinterherzulaufen...lieber Waldspaziergang.

So war das mit dem Grenzsoldaten...zumindest in sehr sehr vielen Fällen war das so.

Nemesis Offline




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16.11.2006 23:59
#6 RE: Grenzsoldaten Antworten

Ein wirklich gelungener Beitrag sentry, das muss ich Dir zugestehen !

Allerdings würde ich hier einen Trennstrich ziehen.

Zitat
Jeder Soldat, insbesonder freiwillig Längerdienende, MÜSSEN sich irgendwann einmal die Frage stellen, ob er im Dienst seine Waffe gegen Andere richten würde. Der Bundeswehrsoldat hätte auch auf Deutsche schießen müssen, wenn aus dem Kalten Krieg ein heißer geworden wäre...



Es stellt für mich schon einen Unterschied dar, ob es sich um einen Soldaten (NVA) handelte, oder ob es sich um einen Grenzsoldaten handelt, der die Waffe gegen die eigene Bevölkerung richten mußte.

Nemesis

sentry Offline




Beiträge: 14
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17.11.2006 07:44
#7 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat von Nemesis

Es stellt für mich schon einen Unterschied dar, ob es sich um einen Soldaten (NVA) handelte, oder ob es sich um einen Grenzsoldaten handelt, der die Waffe gegen die eigene Bevölkerung richten mußte.



Der Grenzer unterschied sich von allen anderen Soldaten (auch von BuWe-Soldaten) dadurch, dass er praktisch ständig in Gefechtsbereitschaft war. Er wurde in ein militärisches Sperrgebiet befohlen, dessen (definitiv diskussionswürdiger) Zweck uns allen bekannt ist. Andererseits war es die Trennlinie zwischen NATO und WVO....und die Russen und ihre Verbündeten waren tatsächlich fest davon überzeugt, dass ein Angriff der NATO nur eine Frage der Zeit ist.

Aufgabe des Grenzers war es also, den Westen (grenzerdeutsch: "feindwärts") zu beobachten und alle Handlungen dort aufzuklären. Hauptaufgabe war aber tatsächlich Grenzverletzungen zu verhindern. Dabei machte es bezüglich seiner Handlungen in keiner Hinsicht einen Unterschied, aus welcher Richtung der GV kam und welche Ziele er im Grenzgebiet verfolgte. Dass die meisten Grenzverletzer tatsächlich Teile der eigenen Bevölkerung waren, spielte in diesem rechtlichen Konstrukt keine Rolle.

Das kann man vielleicht mit einer Objektwache in einer Kaserne vergleichen....wenn nicht gerade der Wachschutz diesen Job übernimmt, dürfte bei der BuWe die Verfahrensweise die gleiche sein:
Ein Soldat bewacht den Kasernenzaun. Er ist vergattert, unbefugtes passieren des Zaunes zu verhindern. Es macht keinen Unterschied, WER den Versuch unternimmt und in welche Richtung...und das ist gut so.
Wir alle kennen die Geschichten von staubigen Gesellen, die in BuWe-Kasernen eingedrungen sind, um Waffen zu stehlen.

Nehmen wir an, der Wachsoldat sieht, wie sich eine Person aus Richtung der Kasernengebäude auf den Zaun zu bewegt, ganz offensichtlich mit der Absicht ihn zu übersteigen. Vielleicht ein Soldat der nicht mehr kann, oder der draußen nur seine Freundin treffen will, oder Schnaps kaufen, vielleicht eine Postenkontrolle, die die Handlungen des Wachsoldaten testen will, vielleicht ein (potentieller) Mörder, der sich eine automatische Waffe besorgt hat und dabei vor der Waffenkammer einen Kameraden angegriffen hat...höchstwahrscheinlich jedoch ein Deutscher...Teil der eigenen Bevölkerung. Egal, der Kerl führt gerade genau die Handlung aus, die der Wachsoldat verhindern soll, also muss der Soldat seinen Befehl abspulen. Üblicherweise muss er den Gegner anrufen und zum stoppen auffordern. Wenn der nicht reagiert, muss er den Anruf vielleicht wiederholen. Das kann man unterstreichen, indem man schon mal geräuschvoll die Waffe durchlädt. Aber was dann? Ziehen lassen oder Warnschuss? Warnschuss! Der reagiert immer noch nicht? Ziehen lassen oder gezielter Schuss? Schneller denken! In jeder Sekunde macht der Gegner 5, 6 Meter! Irgendwann ist er so weit weg, dass du ihn nicht mehr erreichen und verhaften kannst!
Schnapsschmuggler oder Waffendieb...wieder 5,6 Meter! Den Rest muss jeder mit sich selbst klar machen...wie schon 'mal gesagt: Mit allen Konsequenzen, die das Handeln oder Nichthandeln nach sich ziehen wird.

Wer illegal das Grenzgebiet betrat, galt als Gegner. Ein Westler, der Teile der Sperranlagen beschädigen oder stehlen wollte, ein Deserteur (welcher Nation auch immer), der sein Heil in der Flucht suchte, ein Krimineller mit dem selben Anliegen oder einfach der Republikflüchtige, mit welcher Motivation auch immer - alle galten als Gegner. Sie verstießen gegen geltende Gesetze und der Umgang mit ihnen war eben in anderen Gesetzen (hier: Grenzgesetz) geregelt.
Das mag kaltblütig klingen, aber so war der schlichte Sachverhalt, dem sich der Grenzer nahezu täglich ausgesetzt sah.

Über die moralischen Aspekte, die hier hinzukommen, sind wir uns einig, denke ich.

EK 83 2 Offline



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17.11.2006 22:08
#8 RE: Grenzsoldaten Antworten

Mal kurz meinen Senf zu den bisherigen Beiträgen. Ich musste meinen Wehrdienst von Mai 82 - Okt. 83 bei den Grenztruppen in Ostberlin ableisten. Der Unterschied bestand darin, dass wir ein Artillerieregiment waren. Sprich keinen Grenzdienst zu verrichten hatten. Hinzufügen möchte ich, dass jeder Wehrpflichtige gefragt wurde, ob er an der Grenze stehend auch schießen würde. Man konnte NEIN sagen. Es ist auch nicht sehr viel passiert wenn man NEIN gesagt hätte. Alle, die in der Grenzausbildung waren und NEIN sagten oder anderweitig nicht als zuverlässig galten, landeten in unserer Truppe. Übrigens diente diese Grenze einzig der erzwungenen Existenz der DDR. Ein Ende der DDR bereits Anfang der 60er wäre ein versöhnlicher Segen in der deutschen Geschichte. Aber was soll´s, wollen wir DANKBAR sein, dass es uns wenigstens 1989/90 zu Teil wurde.

Nemesis Offline




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19.11.2006 01:02
#9 RE: Grenzsoldaten Antworten

@EK 83 2


Zitat
Hinzufügen möchte ich, dass jeder Wehrpflichtige gefragt wurde, ob er an der Grenze stehend auch schießen würde. Man konnte NEIN sagen. Es ist auch nicht sehr viel passiert wenn man NEIN gesagt hätte. Alle, die in der Grenzausbildung waren und NEIN sagten oder anderweitig nicht als zuverlässig galten, landeten in unserer Truppe.



Ein sehr interessanter Einlaß ! Das läßt die ganze Sache in eienm ganz anderen Licht erscheinen, als man uns immer vormachen möchte !


Nemesis

sentry Offline




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20.11.2006 09:54
#10 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat von Nemesis
Ein sehr interessanter Einlaß ! Das läßt die ganze Sache in eienm ganz anderen Licht erscheinen, als man uns immer vormachen möchte !



Das hat EK richtig dargestellt. Jeder Grenzer musste spätestens in der Grenzkompanie auf diese Frage antworten.
Eine negative Antwort, hätte sicher (nur) die Abversetzung bedeutet.
Auch hier muss man sicher von Fall zu Fall hinterfragen, warum der jeweilige Soldat "Ja" gesagt hat.
In vielen Fällen wurde sicher die Abversetzung für den Soldaten kein erstrebenswertes Ziel, z.B. weil das Soldatenleben in einer Grenzkompanie weniger schikanös sein konnte, als in anderen Einheiten.

Man sollte also in die vorgeblich "positive" Meinung zur Schusswaffenanwendung nicht allzu viel hineininterpretieren.
Zunächst mal ist es bloß eine Aussage, die ein Grenzer zu Protokoll zu geben hatte. Das macht ihn nicht schießwütiger als jeden anderen Soldaten. Wie er im Falle eines Falles reagiert hätte, weiß niemand, nicht mal er selbst.
Der von mir beispielhaft beschriebene Wachsoldat hat immer noch den gleichen Gewissenskonflikt. Er ha nur den Nachteil, dass ihn keiner gefrabgt hat, ob er schießen würde. Bei ihm wird das stillschweigend vorausgesetzt.[/b]

Nemesis Offline




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05.12.2006 10:17
#11 RE: Grenzsoldaten Antworten

Selbst wenn man dem einfachen Soldaten die Hintergründe seiner Entscheidung vom Weg des geringsten Widerstandes gelten lassen will, so trifft dies jedoch nicht auf Soldaten zu, die sich bewußt dem Grenzdienst verpflichtet hatten.

Ich möchte hier mal gerne auf die Zeit.- bzw. Berufssoldaten hinweisen.


Nemesis

sentry Offline




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08.12.2006 07:50
#12 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat von Nemesis

Ich möchte hier mal gerne auf die Zeit.- bzw. Berufssoldaten hinweisen.



Über die Motivation der Zeit- bzw. Berufssoldaten kann ich nicht viel sagen...ich war ja keiner, also mal ganz allgemein:

What's the point?
Was werfen wir dem längerdienenden Grenzer (z.B. Uffz - 3 Jahre) vor?

Dass er planmäßig losgezogen ist, um auf Deutsche zu schießen?
Dass er sogar planmäßig losgezogen ist, um auf seine (ost)deutschen Brüder zu schießen?
Dass er sich freiwillig hergegeben hat, die Grenzen seines Landes zu bewachen?

Ist schon immer interessant anzusehen, wie Außenstehende meist Jahre danach den eisernen Widestandskämpfer raushängen lassen.
Ich hätte NEIN gesagt.
Ich hätte mich gewehrt.
Ich hätte verweigert.
Ich wäre abgehauen.

Meine Opas sind für Adolf nach Russland gezogen. Was wollten die da eigentlich?? Ist es besser, Russen in ihrem eigenen Land plattzumachen, als Deutsche, die illegal eine Grenze überqueren wollen? Wahrscheinlich! Wie konnten Millionen Deutsche in Russland umkommen, wenn wir so ein Volk von Widerstandskämpfern sind?
Mein amerikanischer Cousin musste als Navy-Offizier für Bush in den Nahen Osten. Hätte er sich weigern müssen, weil auch eher Bush nicht gerade für den schlauesten Präsidenten der Welt hält?

Und wie war das nochmal mit dem BuWe-Wachsoldaten aus meinem Beispiel, auf das keiner eingegangen ist?
Oder kann man den gar nicht mit einem Grenzer vergleichen?

Wie schon gesagt: Wenn man in (irgend)einer Gesellschaftsordnung lebt, dort hineingeboren wurde, dann ist das Leben doch um einiges komplizierter. Die Umstände sind ein wenig anders, als im warmen Computersessel mit Patentlösungen für jedes Problem und jeden Konflikt.

Nemesis Offline




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09.12.2006 12:30
#13 RE: Grenzsoldaten Antworten

sentry schrieb :

Zitat
Was werfen wir dem längerdienenden Grenzer (z.B. Uffz - 3 Jahre) vor?



Das sie genau wußten, wofür sie sich in den Dienst stellten und somit
die Folgen ihres Einsatzes ( Unschädlichmachung bzw. Vernichtung) von Grenzverletzern billigend in Kauf genommen haben.

Zitat
st schon immer interessant anzusehen, wie Außenstehende meist Jahre danach den eisernen Widestandskämpfer raushängen lassen.
Ich hätte NEIN gesagt.
Ich hätte mich gewehrt.
Ich hätte verweigert.
Ich wäre abgehauen.



Nun waren es ja nicht nur die "Außenstehenden" die das System erkannten und gehandelt haben.

Es gab viele Menschen in der "DDR" die sich dem Dienst mit der Waffe entzogen haben, in dem sie als z.B. Bausoldat ihren Dienst leisteten.



Auch waren es die denkenden Bürger der "DDR" die das System von Innen her bekämpften und es erreichten, dass die "DDR" auf dem Abstellgleis der Geschichte landete.

Die Außenstehenden hätten die Beseitigung des Systems nie erreichen können.

Zitat
Meine Opas sind für Adolf nach Russland gezogen. Was wollten die da eigentlich?? Ist es besser, Russen in ihrem eigenen Land plattzumachen, als Deutsche, die illegal eine Grenze überqueren wollen? Wahrscheinlich! Wie konnten Millionen Deutsche in Russland umkommen, wenn wir so ein Volk von Widerstandskämpfern sind?
Mein amerikanischer Cousin musste als Navy-Offizier für Bush in den Nahen Osten. Hätte er sich weigern müssen, weil auch eher Bush nicht gerade für den schlauesten Präsidenten der Welt hält?



Sentry, ich glaube hier werden zwei Sachen vemischt, die man nicht vermischen kann.

Der Grenzdienst wurde in Zeiten des Friedens geleistet, es bestand keine Gefahr für Leib und Leben, wenn man diesen abgelehnt hätte.

Im 3.Reich hätte die Ablehnung als Soldat seinen Dienst zu leisten Konsequenzen gehabt, die bis zur physischen Vernichtung gereicht hätten.
Als Beispiel dafür können die vielen Kommunisten u. Bibelforscher dienen.

Auch US-Soldaten müßen nicht dienen - sie wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie in die US-Armee eintreten und dort unterschreiben.

Zitat
Wie schon gesagt: Wenn man in (irgend)einer Gesellschaftsordnung lebt, dort hineingeboren wurde, dann ist das Leben doch um einiges komplizierter. Die Umstände sind ein wenig anders, als im warmen Computersessel mit Patentlösungen für jedes Problem und jeden Konflikt.



Deswegen beziehe ich mich ja auf die Leute, die in diesem System großgeworden sind und es trotzdem nicht gestützt haben, sondern
dagegen waren.

Das hat sogar die führende SED erkennt, nicht umsonst ließ sie ihre Bürger gnadenlos von der Stasi bespitzeln !


Nemesis

sentry Offline




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11.12.2006 07:41
#14 RE: Grenzsoldaten Antworten

Da hast du mich mit den "Außenstehenden" wohl falsch verstanden.

Ich redete von den "Außenstehenden" wie, z.B: Westgermanen oder, die die im Nachhinein, also quasi auch von Außen, immer genau sagen können, was SIE getan hätten, immer genau berwerten können, wie verwerflich das Handeln der ANDEREN war usw.

Zitat
Der Grenzdienst wurde in Zeiten des Friedens geleistet, es bestand keine Gefahr für Leib und Leben, wenn man diesen abgelehnt hätte.



Ich weiss, ich weiss, ein Wehrmachtsvergleich ist in Deutschland in jeder Hinsicht immer unzulässig.

Du implizierst zwar permanent, was für eine gräßliche Diktatur die DDR war, aber Gefahr für einen Verweigerer bestand in der DDR nicht?
Gefahr ist nicht nur Gefahr für Leib und Leben, mein Freund.

Und warum beziehst du dich denn nicht mal auf meinen beispielhaften Wachsoldaten?
Traurig, wenn der nicht wüsste was er tut.

Die meisten wussten und wissen, was sie tun. Die meisten Menschen haben auch Alternativen, egal in welchem System.
Keiner musste an die Grenze, aber diese Diskussionskette müffelt ein bisschen nach Pauschalverurteilung.
De Wehrmachtsmann ist pauschal von Schuld befreit, weil in seiner Diktatur "Gefahr für Leib und Leben" bestand.
Der Grenzer ist pauschal schuldig, weil für ihn diese Gefahr nicht bestand.
Na, wenn diese Beweisführung 'mal nicht etwas dünn ist.

Und ohne es beweisen zu können, einfach aus meiner Erfahrung als ehemaliger Grenzer heraus gesprochen:
Die meisten Grenzer nahmen "billigend in Kauf", dass ihr Auftrag war Grenzverletzungen zu verhindern, aber sehr wenig haben die "Unschädlichmachung bzw. Vernichtung" auf ihrer Billigend-In-Kauf-Nehmen-Tagesordnung gehabt.

Ich komme nochmal auf meinen BuWe-Wachsoldaten.
Nimmt der die "Unschädlichmachung bzw. Vernichtung" seiner durstigen Kameraden billigend in Kauf?

Nemesis Offline




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11.12.2006 15:28
#15 RE: Grenzsoldaten Antworten

Zitat
die die im Nachhinein, also quasi auch von Außen, immer genau sagen können, was SIE getan hätten, immer genau berwerten können, wie verwerflich das Handeln der ANDEREN war usw.



Ich beziehe mich auf Aussagen ehemaliger Bürger der "DDR", die in dem System gelebt haben.

Es gab ja Leute, die sich dem Druck des herrschenden Systems entzogen und sich eben nicht anpassten. Anpassen ist immer einfach.

Zitat
Du implizierst zwar permanent, was für eine gräßliche Diktatur die DDR war, aber Gefahr für einen Verweigerer bestand in der DDR nicht?



Nur um es noch einmal klar zustellen : Für mich ist jede Art von Diktatur inakzeptabel,egal welcher Coleur oder Ausrichtung.

Es konnte doch nicht im Interesse der SED gewesen sein, wenn unzuverlässige Soldaten die Grenzen der "DDR" geschützt hätten,oder ?

Zitat
Keiner musste an die Grenze, aber diese Diskussionskette müffelt ein bisschen nach Pauschalverurteilung.
De Wehrmachtsmann ist pauschal von Schuld befreit, weil in seiner Diktatur "Gefahr für Leib und Leben" bestand.



Pauschalverurteilungen sollte man nicht vornehmen, weil dies nicht der Sache gerecht wird.

Es gab mit Sicherheit auch unter den Grenzern solche und solche, nur der jenige, der sich bewußt für den Dienst an der grenze entschieden hat, wußte auf was er sich einließ.

Deswegen kann man diesen Dienst nicht mit dem Dienst eines Soldaten bei der NVA vergleichen, wie ich meine.

Zitat
Ich komme nochmal auf meinen BuWe-Wachsoldaten.
Nimmt der die "Unschädlichmachung bzw. Vernichtung" seiner durstigen Kameraden billigend in Kauf?



Ich glaube, das man hier einen Trennstrich zwischen dem Dienst in einer Kaserne oder einem Dienst an einer "Staatsgrenze"ziehen muß.


Zitat
Gefahr ist nicht nur Gefahr für Leib und Leben, mein Freund.



Nein, nicht Freund,sondern Freundin !


Nemesis

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